Beispiele

Wurde beispielsweise von einem Feuer geträumt, so ist u.a. zu klären, ob es sich um ein großes Feuer oder eine kleine Flamme gehandelt hat und was gebrannt hat. Außerdem wird nach der Qualität des Feuers gefragt (z.B. bedrohlich-zerstörerisch, reinigend, wärmend, erhellend usw.).

Wurde von einer Person geträumt, so sind die äußere Erscheinung ebenso wichtig wie die Wesenszüge. Man fragt nach dem Alter, dem Geschlecht, der Beziehung des Träumers zu dieser Person, und das, was der Träumer für sie empfindet. Was das betreffende Bild aus Sicht des Träumers versinnbildlichen könnte.

Beispiel: Eine Frau träumte, dass sie ihr morgens ihr Schlafzimmer verließ und vor der Tür verschiedene Schuhe fand, Wanderschuhe, Hausschuhe, Highheels u.a.. Das Gefühl beim Aufwachsen sei eine starke Irritation gewesen. Am Vortag habe sie ein Trennungsgespräch mit ihrem Freund gehabt. Auf die Frage, was Schuhe für sie bedeuteten, meint sie, dass sie damit ausdrücke, wie sie durchs Leben gehen wolle.

Träumt ein Klient von einer Person, beispielsweise von seinem Vater oder seinem fünfjährigem Kind, dann ist die Frage, was diese Personen für ihn bedeuten und welche Probleme er möglicherweise mit ihnen hat. Es ist auch danach zu fragen, welche prägnanten Eigenschaften oder Merkmale dieser Person der Träumer auch bei sich kennt und wie er damit umgeht, oder wie er selbst mit fünf Jahren war und welche Probleme er damals hatte.

Beispiel: Ein Mann träumte, dass er nach langem Gefängnisaufenthalt das Weite gesucht habe, indem er mit auf einer Harley-Davidson, die Mauer durchbrochen habe.

Die Versinnbildlichung innerpsychischer Vorgänge oder psychische Impulse ist uns auch aus Redewendungen der Umgangssprache bekannt. („stille Wasser sind tief“, „die Nase hoch tragen“, „Schwein gehabt zu haben“, „eine Erleuchtung haben“, „auf den gewohnten Gleisen bleiben“, usw.). Ähnliches gilt für die sinnbildliche Bedeutung körperlicher Funktionen („Ich bin verschnupft“. „Das bricht mir das Herz …  schlägt mir auf den Magen“).
Ortrud Grön geht noch einen Schritt weiter und postuliert, dass alle Bilder, die wir uns im Traum von der Natur machen, eine innerpsychische Entsprechung haben. Daher sei die Natur unsere geistige Lehrerin, die alle Vorgänge in der Seele des Menschen beschreibe.

Beispiele:

  • Bäume seien Gleichnisse für gewachsene Erkenntnisse (siehe Baum der Erkenntnis in der Bibel)
  • das Wasser ein Gleichnis für die Klärung der Gefühle,
  • die Luft ein Gleichnis für die Bewusstwerdung,
  • die Erde stehe für die schöpferische Kraft,
  • entsprechende Parallelitäten lassen sich für Steine, Metalle, Pflanzen oder Tiere finden, die beispielsweise für innere Verhärtungen, Schutzpanzer, innere Wachstums- und Reifungsprozesse oder Verhaltensmerkmale stehen können.

Manchmal machen wir uns eben zum Affen oder sind Esel oder Ochsen und sehen den Wald vor lauter Bäumen nicht. Welche Konnotation die Subjektebene am besten beschreibt, muss ausschließlich der Träumer selbst bestimmen. Legt man ihm Bedeutungen nahe, erzeugt man vermutlich Suggestions- bzw. Placebo-Effekte.

Wir träumen nicht von realen Personen, Situationen oder Objekten, sondern von den Bildern, die wir uns von ihnen machen und verinnerlicht haben und die Teil unserer Identität geworden sind.

Wenn wir entdecken, was Michelangelo mit dem Bild des Herzens meinte, können wir an der sich entfaltenden Geschichte unseres Lebens tiefer teilhaben und so zu leben beginnen, als ob unser Platz in der Welt von Bedeutung wäre.

Das ist mein Fenster
Eben bin ich so sanft erwacht.
Ich dachte, ich würde schweben.
Bis wohin reicht mein Leben,
und wo beginnt die Nacht?

Rainer Maria Rilke

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