Lösungsorientiertes Coaching

Traumarbeit im lösungsorientierten Coaching für medizinische und psychosoziale Berufsgruppen

Ulrich Müller und Dr. Uwe Tewes

Coaching und Beratung sind als Hilfen zur Selbsthilfe vor allem auf die Ressourcen und Stärken des Klienten fokussiert und stützen sich besonders auf lösungsorientierte Fragen und Gesprächsführung. Letztlich ist der Klient der Experte, wenn es darum geht, die Probleme im eigenen Leben und im beruflichen Umfeld zu meistern, wobei erfolgreiche Lösungen selbstverstärkende Wirkung haben. Der Coach hilft dem Klienten nach vorne zu blicken und sich dabei das ganze Spektrum seiner Ressourcen zu vergegenwärtigen und zielgerichtet einzusetzen. Dieser Prozess erfordert vom Coach oder Berater ein hohes Maß an Achtsamkeit und vom Klienten die Fähigkeit und Bereitschaft zur Selbstreflexion. Veränderungen sind nur dann möglich, wenn wir das Augenmerk auf die gewünschte Zukunft richten.  „Fokussieren Sie deshalb immer auf das, was Sie wollen und nicht auf das, was Sie nicht wollen“ (Bannink, 2015).

Coaching und Beratung haben sich im klinischen Setting in den vergangenen Jahren neben Psychotherapie und Verhaltenstherapie als drittes Standbein etabliert, wenn die Schulung von Patienten mit chronischen körperlichen oder psychosomatischen Erkrankungen an ihre Grenzen stieß. Dabei handelt es sich um eine niedrigschwellige lösungsorientierte Vorgehensweise, die es dem Patienten erleichtern soll, die inneren Widerstände zu überwinden, die es ihm erschweren, die eigenen Lebensgewohnheiten und -umstände so zu verändern, dass der progressive Verlauf der Erkrankung verlangsamt oder gar ins Gegenteil verkehrt wird. Die Idee, bei chronischen Erkrankungen den Patienten durch gezielte Beratung oder Coaching zum Experten im Umgang mit seinen gesundheitlichen Problemen zu machen, wurde ursprünglich von Rappaport (1981) im Rahmen des Empowerment-Konzepts als Gegenposition zur hierarchischen Perspektive der Arzt-Patient-Beziehung entwickelt, in der der Patient als unwissendes Objekt betrachtet wird, das nur die Anweisungen des medizinischen Experten zu folgen hat. Auslöser für diesen Perspektivenwechsel waren die zahlreichen Studien, dass insbesondere bei chronischen Erkrankungen nachhaltige Behandlungserfolge an der mangelnden Compliance der Patienten scheiterten, die damit überfordert waren, ihre Medikamente zuverlässig einzunehmen und ihren Lebensstil den Erfordernissen anzupassen. Das Problem dieser Patienten ergibt sich häufig aus ihrer mangelnden Bereitschaft, über sich selbst nachzudenken und sich mit der Frage auseinanderzusetzen, inwieweit sie durch eigenes Verhalten zur Entstehung und zum ungünstigen Verlauf ihrer Erkrankung beigetragen haben. Statt nach Fehlern bei sich selbst zu suchen machen sie eher die Lebensumstände oder andere für ihr Schicksal verantwortlich. In der klinischen Psychologie kennt man dieses Phänomen seit Rotter (1966)  als Problem der fehlenden Balance zwischen internaler und externaler Kontrolle, wobei der Begriff der Kontrollüberzeugung vielleicht besser passt. Dieser Abwehrhaltung des Patienten kann man nur entgegenwirken, indem man gezielt seine Fähigkeit und Bereitschaft zur Selbstreflektion und zur Achtsamkeit im Umgang mit sich selbst stärkt.

Unser Vorschlag, hierbei auf die Arbeit mit Träumen zurückzugreifen, stützt sich auf langjährige Erfahrungen, die man zunächst in der Herz-Kreislauf-Klinik Lauterbacher Mühle mit dieser Methode gemacht hat, wobei „Traumarbeit“ hier nicht als „Traumdeutung“ verstanden werden soll. Ortrud Groen, die inzwischen 92-jährige frühere Eigentümerin und Leiterin der Klinik, stellte in den Beratungsgesprächen mit Patienten fest, dass sich Patienten mit Herzerkrankungen als besonders beratungsresistent erwiesen und dass sie wenig Bereitschaft erkennen ließen, sich selbstkritisch mit ihren gesundheitlichen Problemen auseinanderzusetzen. Meistens verschanzten sich diese Patienten hinter einer Vielzahl von Angstabwehr-Mechanismen. Diese Schutzhaltung wurde an mehr als 1000 Patienten empirisch untersucht. Obwohl diese Patienten wenig Bereitschaft erkennen ließen, im Beratungsgespräch persönliches von sich preiszugeben, stellte Ortrud Grön fest, dass sie durchaus Interesse daran hatten, im Beratungsgespräch über ihre Träume zu reden,  was möglicherweise im Zusammenhang mit Schlafstörungen und vermehrten Ängsten gesehen werden muss. Mit diesen Erfahrungen entwickelte Ortrud Grön (2007) ein problemfokussiertes, lösungsorientiertes Konzept zur Arbeit mit Träumen in der Patientenberatung, das nicht nur viel Anklang bei Patienten fand und als Fortbildungsangebot von ärztlichen und psychologischen Psychotherapeuten in Anspruch genommen wurde, sondern inzwischen auch in mehreren Kliniken im Rahmen der Supervision und des Coachings eingesetzt wird, zwar nicht generell, meistens jedoch von ausgewählten Gruppen von Mitarbeitern.

Wir möchten Ihnen dieses Konzept gerne vorstellen und ihnen die Möglichkeit anbieten, anhand der Bearbeitung eigener Träume zu erproben, ob dies zu einer Veränderung der Selbstwahrnehmung und vermehrter Selbsterkenntnis bei Ihnen führt. Wir möchten Ihnen gerne demonstrieren, dass sich aus der Arbeit mit Träumen ein sehr unmittelbarer Zugang zu dem ergibt, was Sie akut beschäftigt und womit Sie innerlich noch nicht abgeschlossen haben. Als psychologische Experten werden Sie in diesem Konzept analytische (Freud, Jung, Fromm), kognitionspsychologische (Foulkes) und verhaltenspsychologische (Randall, Schredl) Elemente wiedererkennen, die hier nicht im Detail erläutert werden können, aber auch einige neue kreative Ideen, die die Arbeit mit Träumen von ihren mystischen und esoterischen Ansätzen befreien könnten.

Unsere These lautet, dass die Arbeit mit Träumen häufig einen sehr unmittelbaren Zugang zu Problemen schafft, die den Träumer akut beschäftigen und die er noch nicht ganz durchschaut hat. Der Traum ist in hohem Maß problemfokussiert. Daher werden im Gespräch über den Traum häufig auch schnell die ungelösten inneren Widersprüche des Klienten erkennbar, wobei längere Träume auch Hinweise auf Lösungsmöglichkeiten und eigenen Ressourcen enthalten können, über die sich der Klient noch nicht völlig im Klaren ist. Die wesentlichen Elemente dieser Traumarbeit bestehen in der Analyse der Traumbilder mit Unterscheidung zwischen Subjektebene und Objektebene und der Betrachtung des Traumgeschehens.

Die Eröffnung des Gesprächs:

Der Klient wird gebeten, in zwei bis drei Sätzen zusammenzufassen, worum es in seinem Traum geht (z.B. eine Prüfungssituation, eine Auseinandersetzung, eine neue Erfahrung). Anschließend sollte er beschreiben, was er beim Aufwachen gefühlt hat und welche besonderen Ereignisse er möglicherweise vom Vortrag in Erinnerung hat, bevor er dann seine Erinnerungen an den Traum so detailliert wie möglich widergibt.

Die Analyse der Bilder auf Objekt- und Subjektebene:

Die Bilder werden einzeln in der berichteten Folge besprochen, wobei zunächst auf die Erlebnisqualität des Bildes Bezug genommen wird. Wurde beispielsweise von einem Feuer geträumt, so ist u.a. zu klären, ob es sich um ein großes Feuer oder eine kleine Flamme gehandelt hat und was gebrannt hat. Außerdem wird nach der Qualität des Feuers gefragt (z.B. bedrohlich-zerstörerisch, reinigend, wärmend, erhellend usw.). Wurde von einer Person geträumt, so sind die äußere Erscheinung ebenso wichtig wie die Wesenszüge. Man fragt nach dem Alter, dem Geschlecht, der Beziehung des Träumers zu dieser Person, und das, was der Träumer für sie empfindet. Diese Perspektive entspricht einer Beschreibung auf Objektebene. Daran schließt sich die Betrachtung auf Subjektebene an, d.h. es wird besprochen, was das betreffende Bild aus Sicht des Träumers versinnbildlichen könnte. Das beschriebene Bild wird sozusagen als Analogie oder Metapher für einen psychischen Prozess interpretiert (diese Unterscheidung zwischen Objektebene und Subjektebene findet man schon bei C.G. Jung und bei F. Pearls). Dabei handelt es sich nicht um ein Symbol im analytischen Sinn sondern um die bildhafte Beschreibung eines innerpsychischen Vorgangs, eines seelischen Prozesses. Hier wird beim Feuer beispielsweise zu klären sein, ob und was den Träumer innerlich möglicherweise verbrennt, ausbrennt, wärmt, erhellt usw.).

Beispiel: Eine Frau träumte, dass sie ihr morgens ihr Schlafzimmer verließ und vor der Tür verschiedene Schuhe fand, Wanderschuhe, Hausschuhe, Highheels u.a.. Das Gefühl beim Aufwachsen sei eine starke Irritation gewesen. Am Vortag habe sie ein Trennungsgespräch mit ihrem Freund gehabt. Auf die Frage, was Schuhe für sie bedeuteten, meint sie, dass sie damit ausdrücke, wie sie durchs Leben gehen wolle.

Träumt ein Klient von einer Person, beispielsweise von seinem Vater oder seinem fünfjährigem Kind, so hilft es wenig, sich auf Objektebene mit ihm darüber auseinanderzusetzen, was diese Personen für ihn bedeuten und welche Probleme er möglicherweise mit ihnen hat. Bei der Analyse der Subjektebene ist vielmehr danach zu fragen, welche prägnanten Eigenschaften oder Merkmale dieser Person der Träumer auch bei sich kennt und wie er damit umgeht, oder wie er selbst mit fünf Jahren war und welche Probleme er damals hatte.

Beim Ausloten der subjektiven Bedeutung des Bildes sind Erfahrungen in lösungsorientierter Befragung hilfreich. Hier sind gegebenenfalls auch antithetische Fragen angebracht.

Beispiel: Ein Mann träumte, dass er nach langem Gefängnisaufenthalt das Weite gesucht habe, indem er mit auf einer Harley-Davidson, die Mauer durchbrochen habe. Hilfreich war die Gegenfrage, weshalb er denn nicht den üblichen Weg gewählt und sich am Bettlaken abgeseilt habe.

Die Versinnbildlichung innerpsychischer Vorgänge oder psychische Impulse ist uns auch aus Redewendungen der Umgangssprache bekannt. („stille Wasser sind tief“, „die Nase hoch tragen“, „Schwein gehabt zu haben“, „eine Erleuchtung haben“, „auf den gewohnten Gleisen bleiben“, usw.). Ähnliches gilt für die sinnbildliche Bedeutung körperlicher Funktionen („Ich bin verschnupft“. „Das bricht mir das Herz …  schlägt mir auf den Magen“). Ortrud Grön geht noch einen Schritt weiter und postuliert, dass alle Bilder, die wir uns im Traum von der Natur machen, eine innerpsychische Entsprechung haben. Daher sei die Natur unsere geistige Lehrerin, die alle Vorgänge in der Seele des Menschen beschreibe.

Beispiele:

  • Bäume seien Gleichnisse für gewachsene Erkenntnisse (siehe Baum der Erkenntnis in der Bibel)
  • das Wasser ein Gleichnis für die Klärung der Gefühle,
  • die Luft ein Gleichnis für die Bewusstwerdung,
  • die Erde stehe für die schöpferische Kraft,
  • entsprechende Parallelitäten lassen sich für Steine, Metalle, Pflanzen oder Tiere finden, die beispielsweise für innere Verhärtungen, Schutzpanzer, innere Wachstums- und Reifungsprozesse oder Verhaltensmerkmale stehen können.

Manchmal machen wir uns eben zum Affen oder sind Esel oder Ochsen und sehen den Wald vor lauter Bäumen nicht. Welche Konnotation die Subjektebene am besten beschreibt, muss ausschließlich der Träumer selbst bestimmen. Legt man ihm Bedeutungen nahe, erzeugt man vermutlich Suggestions- bzw. Placebo-Effekte. Wir träumen nicht von realen Personen, Situationen oder Objekten, sondern von den Bildern, die wir uns von ihnen machen und verinnerlicht haben und die Teil unserer Identität geworden sind.

Die Analyse der Traumstruktur:

Wozu träumen wir und warum haben wir das Bedürfnis, unsere Träume verstehen zu wollen?

Wenn wir entdecken, was Michelangelo mit dem Bild des Herzens meinte, können wir an der sich entfaltenden Geschichte unseres Lebens tiefer teilhaben und so zu leben beginnen, als ob unser Platz in der Welt von Bedeutung wäre.

Der Schauspieler Axel Milberg bringt diese Frage kurz und prägnant in folgender Feststellung in der ZEIT-Serie „Ich hatte einen Traum“ auf den Punkt: „Du träumst von Dingen, die Du nicht verarbeiten konntest, die Du nicht verstanden hast, und die packst Du hinein in die Sehnsucht nach Auflösung der Gegensätze …  was uns gelungen ist, und was uns tröstet, das werden wir im Traum nicht weiter verfolgen“.

Der jungianische Analytiker Robert Johnson meinte, Der Traummacher – die Seele – möchte das Ego bei seiner Reifung und Transformation unterstützen, was, wie wir gesehen haben, oft mit dem Tod des Egos bzw. seiner gegenwärtigen Weltsicht beginnt. Der Traummacher ist nicht daran interessiert, dem Ego zu gratulieren, sondern erweist vielmehr darauf hin, wo es beschränkt, fehlerhaft, verwirrt oder im Irrtum sein könnte – sprich, es sich in die Gelegenheit zur Initiation in eine größere Geschichte in ein größeres Leben bietet.

Träume bestehen meistens aus einer Abfolge von Bildern, haben eine Dramaturgie und spiegeln somit den Verlauf oder die Entwicklung eines innerpsychisches Prozesses wider. Möglicherweise steht jedes einzelne Bild für einen Impuls, der diesen Prozess voranbringt. Dass die Anordnung von Elementen nach bestimmten Regeln zu einem sinnvollen Ganzen führt, kennen wir u.a. auch aus der Psycholinguistik, die uns erklärt, wie man aus einem begrenzten Reservoir von Wörtern mit Hilfe einer begrenzten Anzahl von Regeln eine unendliche Vielfalt von sinnvollen Aussagen machen kann. Kognitionswissenschaftler wissen: So arbeitet unser Verstand, so denken wir und so reden wir. Die Überzeugung, dass dieses für den Traum ebenso gilt wie für die Sprache, wird von zahlreichen renommierten Autoren vertreten (z.B. Foulkes, Fromm, Schredl oder Grön). Ergänzt man diese Sichtweise um die Erkenntnis, dass wir uns im Traum mit Problemen auseinandersetzen, für die wir am Tag noch keine Lösung gefunden haben, soweit es einen Sinn, das Traumgeschehen als nächtlichen Versuch anzusehen, an dieser Lösungssuche weiterzuarbeiten. In den Biografien zahlreicher prominenter Wissenschaftler finden sich immer wieder Beispiele dafür, wie ihnen Lösungen für Probleme, mit denen sie sich lange beschäftigt hatten nachts im Traum eingefallen sind. Somit dürfte es durchaus einen Sinn machen den Traum daraufhin zu betrachten, welches Problem oder welcher Zwiespalt sich darin widerspiegelt und auf welchen Wegen der Träumer nach Lösungen sucht. Grön (2007) und Schredl (2013) weist explizit darauf hin, dass Träume uns auch Lösungsansätze für unsere Probleme vermitteln. Foulkes (1978) befasste sich besonders intensiv mit der Struktur von Träumen und postulierte ein „grammatisches“ Regelwerk („A Grammar of Dreams“), das sich allerdings in erster Linie an psychoanalytischen Konzepten orientiert. Grön geht davon aus, dass der Traum stets mit Hinweisen auf den inneren Zwiespalt beginnt und günstigenfalls mit einem Lösungsangebot endet, wobei dieser Prozess verschiedene Stufen durchläuft. Zunächst wird der Zwiespalt –  die innere Ambivalenz – deutlich, begleitet von Irritationen bis hin zu Angstgefühlen. Daraus entwickelt sich ein Bedürfnis nach Wiederherstellung der inneren Ausgeglichenheit durch Selbstbefreiung von dem Zwiespalt. Nach und nach entwickeln sich Vorstellungen davon, wie es sich anfühlen könnte, wenn das Problem bewältigt ist, woraus sich aber auch der Anspruch entwickelt, das neue Bild gegen die Blockaden aus der Kindheit durchzusetzen. Wenn dies gelingt, fühlt sich der Träumer in seiner Entwicklung durch Bilder von Kraft und Souveränität bestätigt. Gelegentlich spielt der Traum auch verschiedene Lösungswege durch oder wird vor Erreichen einer Lösung abgebrochen. Der Traum soll also einen Beitrag zur Emotionsregulation durch Auflösung innerer Widersprüche leisten.

Mit achtzig Jahren beschreibt C.G. Jung seine Autobiographie als Seelengeschichte, als seinen „persönlichen Mythos, seine Fabel“. Er sagt, im Grunde genommen sind mir nur die Ereignisse meines Lebens erzählenswert, bei denen die unvergängliche Welt in die vergänglicher einbrach. Darum spreche ich hauptsächlich von den inneren Erlebnissen. Zu ihnen gehören meine Träume Imaginationen. Neben den inneren Erlebnissen verblassen die anderen Erinnerungen… Die äußeren Umstände können die inneren nicht ersetzen. Ich kann mich nur aus den inneren Geschehnissen heraus verstehen. Sie machen das Besondere meines Lebens aus….

Der Nutzen der Traumarbeit:

Für Bill Plotkin ist der Traum eine Führung aus der Unterwelt der Psyche. Hierfür liefert der Traum einen unmittelbaren Zugang zur individuellen Einzigartigkeit des Träumers. In diagnostischer Hinsicht sind Träume wesentlich authentischer als jeder Persönlichkeitsfragebogen, dessen Bearbeitung stets auch von rational gesteuerten Selbstdarstellungstendenzen überlagert wird. Gespräche über Träume fördern die Bereitschaft, sich offen mit den eigenen Probleme und Ängsten auseinanderzusetzen und sich über Erfahrungen zu äußern, über die man sonst ungern spricht. In diagnostischer Hinsicht lassen sich aus Gesprächen über Träume Rückschlüsse auf emotionale Dysregulationen ziehen, auf Konfliktwahrnehmungen und Problemverarbeitungsstrategien, auf das Selbstkonzept, auf die Stimmungslage und auf Persönlichkeitsstile.  Für Personen, die eher zur Unterdrückung ihrer Gefühle neigen und die sich dagegen sperren, offen über ihre Probleme zu reden und etwas über sich preiszugeben, kann die Arbeit mit Träumen ein niedrigschwelliger Zugang zu Auseinandersetzung mit sich selbst sein.

Bei der Bearbeitung seiner Träume lernt der Klient, achtsam mit sich selbst umzugehen. Er entwickelt ein Gespür für die Komplexität seiner Persönlichkeit, für mögliche Gefährdungen seiner inneren Stabilität und für Fehlregulationen bei der Konfliktverarbeitung. Er lernt auch, dass er im Traum im Dialog mit sich selbst ist. Durch die Beschäftigung mit den Trauminhalten und dem Traumgeschehen wird er gezielt zu einem Perspektivenwechsel ermuntert. Durch die gezielte Förderung der Selbstreflektion bei der Analyse der Subjektebene lernt der Klient, seine eigene Entwicklung und seine akute Problematik weniger external zu attribuieren, d.h. die Ursachen in äußeren Bedingungen und Einflüssen zu suchen, sondern in seinem Denken und Handeln vermehrt auf innere Prozesse und somit auf die eignen Anteile zu fokussieren.

Im Setting der professionellen Beratung und des Coachings kann Traumarbeit somit ein nützliches Werkzeug sein, das in hohem Maß problemfokussiert ist und außerdem eine wichtige Hilfe bei der Förderung der Autonomie und Selbstregulation ist, zur Verbesserung sozio-emotionaler Kompetenzen und zu einer verbesserten Resilienz beiträgt.

Aussagen von Klienten:

  • Es sind meine Träume, meine Bilder, meine Selbstreflektionen! Die erarbeiteten Erkenntnisse sind neue, ermutigende und erweiternde Handlungsmöglichkeiten. Es ist ein tolles Gefühl, sozusagen von meinem eigenen Leben, ein verlässliches Feedback zu bekommen!
  • Träume eröffnen mir Räume und Gefühle, die ich schon lange vergessen hatte!

Wie hat Rainer Maria Rilke so schön formuliert, vielleicht sind alle Drachen unseres Lebens Prinzessinnen die nur darauf warten uns einmal schön und mutig zu sehen. Vielleicht ist alles Schreckliche im Grunde nur das Hilflose, das von uns Hilfe will!

201605 Traumarbeit Mueller Tewes.PDF

Literatur

Bamberger, G.G. (2015). Lösungsorientierte Beratung (5. überarbeitete Auflage). Weinheim: Beltz.

Bannink, F. (2015). Lösungsfokussierte Fragen – Handbuch für die lösungsfokussierte Gesprächsführung. Göttingen: Hogrefe.

Foulkes, D. (1978). A Grammar of Dreams. New York: Basic Books.

Freud, S. (1900). Die Traumdeutung (Studienausgabe Bd. 2. 1972). Frankfurt am Main: S. Fischer.

Fromm, E. (1951). Märchen, Mythen, Träume. Eine Einführung in das Verständnis einer vergessenen Sprache. (Gesamtausgabe, Bd. IX, 1951). München: dtv.

Grön, O. (2007). Pflück dir den Traum vom Baum der Erkenntnis – Ein Lehrbuch für die Arbeit mit Träumen. Bergisch Gladbach: EHP – Verlag Andreas Kohlhage.

Harrer, M.E. und Weiss, H. (2016). Wirkfaktoren der Achtsamkeit – Wie sie die Psychotherapie verändern und bereichern. Stuttgart: Schattauer.

Jung, C.G. (1948). Vom Wesen der Träume. Zürich: Rascher.

Jung, C.G. (1961) Erinnerungen, Träume, Gedanken Düsseldorf: Walter

Klein, S. (2014). Träume – Eine Reise in unsere innere Wirklichkeit. Frankfurt: S. Fischer-Verlag.

Mertens, W. (2003). Traum und Traumdeutung (3. aktualisierte Auflage). München: C.H. Beck.

Rainer Maria Rilke (1904) Briefe an einen jungen Dichter Insel Verlag 1929

Randall D.K. (2012). Im Reich der Träume. Berlin: Springer-Spektrum.

Rappaport, J. (1981). In praise of paradox: A social policy of empowerment over prevention. American Journal of Community Psychology, 19, 337-356.

Rotter, J.B. (1966). Generalized expectancies for internal versus external control of reinforcement. Psychological Monographs, 80, whole No. 609.

Schredel, M. (2013). Träume – unser nächtliches Kopfkino (2. Auflage). Berlin: Springer-Spektrum.

Tewes, U. und Grön, O. (2006). Ängste und Angstverarbeitung bei koronaren Erkrankungen. Frankfurt: Harcourt Test Services.

Tewes, U. (2011). Die Angst des Herzpatienten – Ängste und Angstverarbeitung bei Herzerkrankungen. Bergisch-Gladbach: EHP-Verlag Kohlhage.

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